wir über uns

Mountain View

Fränk Heller ist Regisseur und Autor und stammt aus Luxemburg. Noch während der Regieausbildung gründete er seine eigene Kompanie, die ELECTRIC FLESH BRUSH.

Mehrsprachigkeit ist Stilmittel aller seiner Projekte. Ebenso eine große Vielstimmigkeit: Nie kommt nur eine einzige Meinung zu Wort.
Sein „Postregietheater“ ist dialektisch und pluralistisch, und gerade deswegen sozial und politisch engagiert. Es ist textbasiert, verbindet aber alle Medien und stellt den exponierten, missbrauchten Körper in den Mittelpunkt. Er arbeitet eng mit dem Choregraphen Tomer Zirkilevich zusammen.

Während er klassischen Stoffen ihre einstige Brisanz durch entsprechende Anschläge auf Seh- und Interpretationsgewohnheiten zurückgibt, arbeitet er in aktuelle bzw. selbst verfasste Stücke die Erfahrungen und Sichtweisen aller Mitwirkenden mit ein.

„Creative crowdsourcing“ ermöglicht es ihm, nicht nur die Obsessionen Einzelner, sondern ein möglichst breit gefächertes Zeugnis unseres Lebensgefühls zu erschließen.

Am Anfang der ELECTRIC FLESH BRUSH standen eine Schauspiel- und eine Regieklasse der theakademie Berlin und der Wunsch, auch nach Abschluss der Ausbildung zusammenzuarbeiten; sich umeinander zu kümmern, eben die erfolgreich eingespielten Teams und eine künstlerisch fruchtbare Freundschaft nicht einem überzogenen, individuellen Ehrgeiz zu opfern.
Seit 2011, also noch während seiner Regieausbildung, begann Fränk Heller mit dem Aufbau der Company. Mit jedem seither inszenierten Stück vergrößerte sich der personelle Grundstock aus theakademie-Schülern um mehrere externe Mitwirkende, die erfreulicherweise fast alle der Truppe bis heute treu geblieben sind.
Zugleich gingen der Truppe - etwa durch Umzug in eine andere Stadt oder durch Festanstellungen an Stadt- oder Landestheatern - einige der ehemaligen, aktiven und zuvor stets abrufbereiten Mitglieder verloren.
2013 dann wurde die Truppe erstmals von einem Dreierteam geleitet, dem neben Fränk Heller zwei Mitglieder angehörten, die beide an anderen Schauspielschulen studiert hatten.

Heute ist die Company relativ bunt gemischt und versteht sich als professionelle Theatertruppe. Die künstlerische Leitung teilen sich Fränk Heller und der israelische Choreograph Tomer Zirkilevich. Projekte werden künftig von beiden (als GbR) oder von einem der beiden (in Eigenverantwortung) geleitet, die Truppe selbst ist ein lockerer Zusammenschluss gleichberechtigter Künstler, die inzwischen allen Beteiligten eine funktionierende Infrastruktur zu bieten in der Lage ist.

Frühere theakademie-Schüler machen inzwischen nur noch etwa ein Drittel des fast 50 Leute umfassenden Pools aus, auf den die Company zurückgreifen kann (sie nun allerdings verstärkt wurde durch einige ihrer ehemaligen Dozenten, die kürzlich beigetreten sind).

Trotz dieser Veränderungen ist ein Gedanke immer zentral geblieben: die ELECTRIC FLESH BRUSH bildet eine Familie, d.h. eine auf Dauer angelegte, miteinander streitende und doch einander respektierende Gemeinschaft (nicht unbedingt gleichgesinnter, aber doch sich verstehender und sich gegenseitig befruchtender) Individuen, die alle ihre eigene Geschichte und Persönlichkeit haben; die jedoch auch auf eine gemeinsame Geschichte zurückblicken und ein gemeinsames Profil generieren - und nur zusammen eben diesen unglaublich wertvollen Pool an Erlebtem und Durchlebtem bilden, aus denen gute Inszenierungen schöpfen.

Die ELECTRIC FLESH BRUSH versteht sich als eine in Berlin ansässige Theatertruppe mit internationalen Wurzeln, Kontakten und Ambitionen. Die derzeit aktiven Mitglieder stammen aus Frankreich, Luxemburg, Österreich, Italien, Griechenland, Polen, Bulgarien, Rumänien, der Türkei, Israel, Argentinien und natürlich Deutschland.
Seit 2012 wurden Kontakte die nach Frankreich (insbesondere zum Festival Off in Avignon) und Polen zunehmend wichtiger.

Für Fränk Heller war die mehrfache persönliche Begegnung mit dem polnischen Regisseur Krzysztof Warlikowski sehr prägend, dessen Arbeitsweise er in weiten Teilen übernommen hat. Wichtig sind ihm die biographischen Einbringungen der Mitwirkenden, die stets in die Stücke mit einfließen. Allerdings ist ihm die postliberale Bequemlichkeit des Dokumentar-Regisseurs ebenso zuwider, wie das selbstherrliche Gehabe der Regiestars der 90er.
Ein wichtiges Motto ist ihm:
Als Regisseur sollte man sich vor allem in den richtigen Momenten zurückzuhalten wissen. Genau dann passieren die interessanten Dinge.