Spanner!

Ein Stück von Fränk Heller
nach Federico García Lorca "El Publico"


Theaterdirektor Enrique mag nicht mehr kämpfen. Als ehemaliger Skandalregisseur und notorische Transe hat er es sich einmal zuviel mit dem Publikum und der Politik verscherzt - und dabei sein ganzes Vermögen eingebüßt. Nun will er sich ein neues Image verschaffen und dem Publikum mit weichgespülten Shakespeare-Inszenierungen gefallen. Doch hat er die Rechnung ohne Gonzalo gemacht, seinen Lover aus Jugendtagen …

Ein Stück über unmögliche Lieben, Verrat und Verdächtigungen, vergebliche Ausbrüche, die Ehrlichkeit im Theater und den tödlichen, da uneingestandenen Voyeurismus der Zuschauer.

 


Ein "ironischer" Trailer:





Presse:


blog.theater-nachtgedanken.de 2012/02/13

Am TISCH feiert Fränk Heller mit SPANNER! nach Lorcas "El Publico" Lust und Leid zweier Theaterverrückter

Am 1. Februar hatte hier die Abschlussarbeit des jungen Regisseurs Fränk Heller von der Kreuzberger Theaterakademie Premiere. Er suchte sich dafür das kaum gespielte Stück "El Publico" des Spaniers Federico García Lorca aus. Heller hat Lorcas im Madrider Theatermilieu der 30er Jahre angesiedelte surrealistische Farce überarbeitet und brachte sie nun unter dem Titel "SPANNER!" mit Berliner Schauspielstudenten neu heraus.

Herausgekommen ist dabei ein ebenso faszinierender wie abstoßender Reigen aus Obsessionen, Travestie und ausgestellter Eitelkeiten, genau wie es Lorca auch vorgeschwebt haben dürfte. An eine Aufführung hatte er allerdings selbst nicht geglaubt, da "…es weder eine Truppe gibt, die sich an eine Inszenierung wagt, noch ein Publikum, das es ohne Unwillen hinnimmt - einfach, weil es der Spiegel des Publikums ist." (Suhrkamp Verlag) Eine Abrechnung mit dem herkömmlichen bürgerlichen Theater und seinem saturierten Publikum hatte Lorca dabei im Sinn.

Heller gelingt es dennoch die Bilder in Lorcas Kopf adäquat auf die Bühne zu transformieren. Von Beginn an ist der Zuschauer als ungeliebter notorischer Voyeur mit einbezogen. Man betritt das Theater durch den Nebeneingang und wird sofort hinter den Vorhang verwiesen, mit der Aufforderung ja nichts zu berühren oder gar zu stören.

Der schwule Theaterdirektor Enrique will nicht mehr provozieren und lieber mit gefälligen Shakespeareinszenierungen das große Publikum erreichen. Sein Ex-Lover, der Regisseur und Autor Gonzalo, reißt ihn aber aus seiner wohligen Bequemlichkeit, indem er das totale Theater propagiert und damit den alten Bühnenschreck in Enrique neu erweckt. Das erschüttert auch die kleine Theaterwelt um die beiden Egomanen, Ränke und Eifersüchteleien brechen sich Bahn. Die Proben zur Aufführung einer Trashversion von "Romeo und Julia" bringen das kleine Theaterensemble schließlich an den Rand des Wahnsinns.

"Man muss das Theater zerstören oder im Theater leben!" Diesen Spagat führen uns die Schauspieler mit viel Lust und Schmerz vor Augen. Vom großen Theaterpathos bis zur mit Wonne zelebrierten Selbstzerstörung inklusive blasphemischer Kreuzigungsszene reicht dabei das Repertoire, doch der Vorhang muss jeden Abend für das nach Sensation gierende Publikum wieder hochgehen. Bleibt zu hoffen, dass er das im TISCH nach dem 22.02.12 auch noch weiterhin tun wird. Denn nur hier ist auf Dauer Platz für solche zarten surrealen Theatergewächse, die eines besonders geschützten Raumes bedürfen.

Vorstellungen:
1./2./3./4./5.
Februar 2012

TISCH
Theater im Schokohof
Ackerstraße 169
Berlin-Mitte

Regie und Text:
Fränk Heller
Bühne:
Johannes M. Schneider
Licht:
Dafni Sofianopoulou
Dramaturgische Beratung:
Matthias Horn und
Paul Baiersdorf


Spiel:
Yuri Gárate
Peter Steinkohl
Eva Meßmer
Max Philipp Schröder
Julien Blue Hirte
Tibor Wolf
Bernd Auzinger
Jessa Schmitt
Laura Preußing
Lena Harter
Leander Kirschner

 

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